Pfunderer Höhenweg

Erstellt am: 22.01.2007
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Kurzbeschreibung
Tourentyp:   Hüttentour, Gipfeltour
Tourenlänge:   4 Tage
Schwierigkeit:     mittel/schwer (Kondition)
Karte:   Tabacco Nr. 037
Region:   Pfunderer Berge
Hütten:   Brixener Hütte 2344 m, Edelrauthütte 2545 m
Gipfel:  Wilde Kreuzspitze 3132 m

Tourenplaner:   Tscharly
Teilnehmer:  Ully, Birgit, Christa, Claudia, Giri
Tourentermin:     05. bis 08. Oktober 2006
Besonderheiten:  Eine "gemütliche" Hüttenwanderung




Tourenbericht



Erster Tag - Zustieg zur Brixner Hütte

Wir wollen noch eine gemütliche Hüttentour machen. Es ist Anfang Oktober und es hat schon geschneit. Trotzdem sind wir zu sechst. Der Pfunderer Höhenweg liegt südlich des Brenners und einige Hütten sind noch bewirtschaftet. Für den ganzen Höhenweg reicht uns die Zeit nicht, aber das Kernstück zwischen der Brixner Hütte und der Edelrauthütte im Eisgrubjoch wollen wir in Angriff nehmen.

Wir reisen mit zwei Autos an. Eins parken wir in Stein auf 1608 m. Das ist die letzte Ortschaft im Pfitschertal und unser Ziel nach vier Tagen. Von unserem Startpunkt Burgum auf 1369 m steigen wir, zunächst schneefrei, entlang des Baches das Burgumer Tal auf. Doch schon bei etwa 1600 m beginnt der Schnee. Auf der Burgumer Alm (1996 m) liegen schon etwa 15 cm. An der Sterzinger Hütte (2344 m), die bereits geschlossen hat, ist schon fast 1/2 Meter Schnee. Giri schaufelt uns den Tisch frei und wir können in der Sonne eine Pause machen. Dann müssen wir noch weiter in einen Paß (etwa 2525 m) aufsteigen. Danach queren wir, zum Teil in tief eingewehten Rinnen, ohne viel Höhenverlust unter das Sandjoch. Da müssen wir noch drüber. Das Sandjoch liegt auf 2642 m, oben müssen wir eine Steinwüste queren. Durch den Schnee brechen wir immer wieder in Löcher ein. Das ist ziemlich anstrengend und manche murren schon: "Von wegen, gemütliche Hüttentour". Doch nach dem Pass beginnt der Abstieg zur Brixner Hütte, dass schlimmste ist vorbei. Im oberen Bereich müssen wir noch etwas Vorsicht walten lassen. Je weiter wir aber runter kommen, desto weniger Schnee liegt. Auf der Aufstiegseite lag mehr Schnee. Die Brixner Hütte liegt auf 2344 m und wir haben reserviert. Um diese Jahreszeit ist die Hütte aber sowieso nicht voll.

Zweiter Tag - Wilde Kreuzspitze

Wir wollen heute noch nicht weiter zur nächsten Hütte. Westlich der Brixner Hütte steht die Wilde Kreuzspitze (3132 m). Ein 3000er der nicht schwer ist. Den wollen wir besteigen. Mal schaun wie das mit Schnee geht. Claudia will nicht mit und bleibt auf der Hütte.

Wir brechen also am Morgen zu fünft auf. Bis auf 2400 m steigen wir unseren gestrigen Abstiegsweg wieder auf. Hier biegen wir nach links ab um durch das Rauhtal weiter aufzusteigen. Je höher wir kommen desto mehr wird der Schnee. Wir halten uns in Aufstiegsrichtung ziemlich weit rechts im Hang. Erstens liegt hier weniger Schnee, zweitens hat uns die Hüttenwirtin gewarnt. Unterhalb des Rauhtaljoch (2808 m) soll sich noch ein Gletscherrest mit nicht zu verachtenden Spalten befinden. Im Aufstieg sehe ich nichts davon, wir gehen ja auch rechts im Hang. Als wir das Rauhtaljoch erreichen, haben wir bestes Wetter. Es ist zwar kalt aber die Sonne scheint und wir haben eine gute Fernsicht. Auch in der Nähe ist die Sicht gut. Alle behaupten auf der anderen Seite des Jochs eine See zu sehen, in dem sich die angrenzenden Berge spiegeln. Ich seh nur einen ganz kleinen See. Ich mache trotzdem ein Bild, und seh zu Hause dass die anderen Recht hatten.




Wir diskutieren, ob wir weiter auf den Gipfel aufsteigen wollen. Es war doch ziemlich anstrengend bis ins Joch. Durch einen Lesefehler meine ich, wir sind erst auf 2500 m. Doch ein "Absteiger" klärt uns auf, dass wir schon auf 2800 m sind. Plötzlich sind alle für den weiteren Aufstieg. Nach einer kurzen Querung am steilen Hang, im tiefen Schnee, geht es am Südhang der Wilden Kreuzspitze nicht so schwer nach oben. Im letzten Stück vor dem Gipfel liegt wieder mehr Schnee. Ganz oben sind ein paar, felsige nicht schwere Stellen zu überwinden, dann stehen wir oben auf der "Wilden Kreuzspitze", die gar nicht so wild ist. Der Ausblick ist heute grandios.










Ich zeige meinen Kameraden den Hochfeiler und die ungefähre Strecke die wir morgen bis zur Edelrauthütte zurücklegen werden. Sie lachen mich aus: "Das glauben wir nicht, das ist viel zu weit". "Schaumermal, i glaub dene wird des Lachen no vergehn."

Der Abstieg ist nicht schwer. Nach dem Rauhtaljoch steigen wir nicht am Hang, sondern direkter ab. So kommen wir auch an den Rand des "Gletschers". Es sind tatsächlich Spalten vorhanden. Die Warnung der Wirtin ist also nicht ganz ohne Grund. Wir fallen nicht rein und kommen alle zeitig auf die Hütte. So können wir noch ein Bier auf der Terasse in der Sonne trinken, bevor diese hinter den Bergen verschwindet.



Dritter Tag - Brixner Hütte - Edelrauthütte

Heute wollen wir zur Edelrauthütte ins Eisgrubjoch. Der Weg ist weit und mit 7 bis 9 Stunden angegeben (im Sommer). Wir müssen über

vier Sattel:


Steinkarscharte 2608 m
Kellerscharte 2439 m
Dannelscharte 2520 m
Gaisscharte 2700 m

zur

Edelrauthütte auf 2545 m.



Dazwischen liegen natürlich Täler oder Mulden. Der erste Aufstieg in die Steinkarscharte geht ganz gut. Hier liegt wenig Schnee und wir sind noch frisch. Auf der Abstiegsseite liegt schon bedeutend mehr Schnee. Wir müssen fast bis 2300 m absteigen bevor wir im schneebedeckten, grobsteinigen Gelände queren können. Nach einem kurzen Gegenanstieg steigen wir wieder etwas ab. Nun kommt eine längerer Querung in flacherem Gelände mit nicht mehr so viel Schnee. Dann geht es am Hang entlang wieder leicht ansteigend rauf zur Kellerscharte. Jetzt beginnt es zu schneien.

Die Sicht wird schlechter und auch die Orientierung ist nicht mehr so einfach. Oben in der Scharte angekommen, frage ich Christa was sie meint. Wir könnten hier immer noch nach links abbiegen und über die Gliederscharte die Tour abbrechen um nach Stein abzusteigen, wo unser Auto steht. Wir beschließen weiter zu gehen. Wenn das Wetter noch schlechter werden sollte könnten wir immer noch nach rechts Richtung Engbergalm absteigen. Hier wären wir zwar nicht bei unserem Auto aber doch unten, und in Sicherheit.




Das Wetter beruhigt sich immer mehr. Wir queren südseitige Hänge, der Schnee wird zwar weniger die Orientierung ist aber nicht leicht. Die Pfade sind nicht sehr ausgetreten und die Markierungen sind zum Teil unter dem Schnee. An den grasigen, verschneiten Hängen zu queren ist schwieriger und gefährlicher als im felsigen Gelände unterwegs zu sein. Wir steigen etwas zu weit ab und müssen wieder rauf. Bevor wir durch die Dannelscharte können kommt noch ein felsiger Aufschwung. Im Sommer sicher kein Problem. Doch schon von weitem sehe ich es glitzern. Als wir da sind bestätigt sich meine Vermutung. In den nordseitigen Felsen ist zum Teil noch Eis. Das Gelände ist nicht sehr schwer und mit dem Pickel kann ich das Eis von den wichtigsten Tritten und Griffen leicht entfernen. Die kurze Stelle ist schnell überwunden und wir kommen gut in der Dannelscharte (2520 m) oben an. Von hier haben wir einen Blick auf unseren weiteren Weg. Bisher war es nich so leicht. Wir diskutieren ob wir absteigen sollen und dann den leichten Weg zur Edelrauthütte nehmen. Oder wir gehen den Höhenweg weiter und haben so noch die Gaisscharte mit 2700 m vor uns. Das wäre dann heute unser höchster Punkt. Gemeinsam entschließen wir uns, nicht abzusteigen und über die letzte Scharte unser Ziel zu erreichen.




Nochmal queren wir verschneite Grashänge. Es ist schon 13.00 Uhr. Wir machen etwa 100 Höhenmeter über dem Brenninger Biwak Pause. Jetzt kommt sogar manchmal die Sonne durch und wir können unsere Brotzeit "gemütlich runter würgen". Danach wandern wir gestärkt "gemütlich" weiter.

Der Schnee ist hier nicht mehr das Problem. Doch der Pfunderer Höhenweg ist kein Weg. Der Aufstieg in die Gaisscharte hat so seine Tücken. Wir müssen durch grobblockiges Gelände. Das bedeutet, man muss von Stein zu Stein springen. Oder man kraxelt runter und wieder rauf. Das eine muss man können, das andere kostet Kraft. Giri hat beim Aufstieg in die Gaisscharte schon zwei Rucksäcke um seine Frau Claudia zu entlasten. Oben kommt er er fast nicht durch die Scharte weil der zweite Rucksack quer liegt und die Scharte ziemlich eng ist. Doch er zwängt sich durch und steigt an den angebrachten Ketten ab. Dass der Abstieg ein halber Klettersteig ist, damit hab ich gar nicht gerechnet. Ich warte bis die anderen nachkommen. Christa steigt noch vor mir ab. Dann komme ich. Ully und Claudia sollen mir folgen und Birgit bildet die Nachhut. Als ich unten ankomme, steigt Günter schon wieder auf. Diesmal ohne die zwei Rucksäcke. Er will seine Frau beim Abstieg unterstützen. Auch ich steige nochmal auf, um Ully etwas behilflich zu sein. Schließlich sind wir alle glücklich unten.











Jetzt haben wir es fast geschafft. Trotzdem dauert es noch, bis wir die Hütte erreichen. Wir müssen noch weiter absteigen, bis fast auf 2400 m. Dann kommt nochmal eine Steinspringerei und ein Gegenanstieg von 150 Metern in grobem Steingelände. Kurz vor 18.00 Uhr erreichen wir die Edelrauthütte auf 2545 m.





Wir haben fast 10 Stunden gebraucht. Doch das ist keine Schande, wie uns der Hüttenwirt später erzählt. Auch im Sommer bei besseren Verhältnissen ist das eine normale Zeit. Manche brauchen auch 14 Stunden. In 8 Stunden schaffen es die wenigsten. Der Pfunderer Höhenweg ist kein "Weg", auch im Sommer nicht.

Vierter Tag - Über die untere Weißzintscharte und Hochfeilerhütte nach Stein

Jetzt müssen wir wieder Heim. Doch vorher steigen wir noch auf die Weiszintscharte mit 2974m, auf. Der südseitige Aufstieg ist kein großes Problem. In der Scharte angekommen rasten wir kurz, bevor wir den nordseitigen Absieg beginnen. Hier liegt etwas mehr Schnee. Trotzdem sind ab und zu Markierungen zu erkennen. Nach einigem suchen finden wir auch den Einstieg auf den Gletscher. Der Gliederferner muss gequert werden, will mann die Hochfeilerhütte erreichen. Der Einstieg zum Gletscher ist sogar mit Drahtseilen versichert. Deshalb sind wir auch sicher, hier richtig zu sein. Es taucht aber ein Hindernis auf. Der Gletscher hat eine Randkluft. Ein "Eichhörnchen" hat aber im Zickzack eine Spur über schmale Eisbrücken gelegt. Ich versuche, wie das "Eichhörnchen" den Gletscher zu erreichen. Rutsche aber dabei fast in die Spalte. Wir haben keine Steigeisen dabei. Die Gemeinschaft beschließt einstimmig. "Hier gehen wir nicht drüber." Das ist gut, denke ich mir. Dann muss ich da auch nicht drüber. Ich schaue kurz ob es einen anderen Weg gibt. Da sehe ich rechts noch zwei Eisenklammern die noch weiter runter führen. Ich steig runter und springe von hier über die Randspalte auf den Gletscher. Die anderen denken ich spinne, die haben ja die Klammern noch nicht gesehen. Doch so kommen wir alle auf den Gletscher. Auch Ully unser "Gletschersprunghörnchen" überwindet so die Randspalte. Den Gletscher können wir ohne weitere Probleme queren. Auch die Thermosflasche von Claudia können wir bergen. Die hatte sie bei ihrem Sprung über die Randspalte verloren und war ein Stück weit nach unten in den Gletscher gerutscht.

Der weitere Weg zur Hochfeilerhütte wirft keine Probleme auf. Dort holen wir eine Biergarnitur aus dem Winterraum und machen in der Sonne Brotzeit. Die Garnitur räumen wir danach natürlich wieder auf.





Je weiter wir absteigen desto weniger wird der Schnee. In Stein ist er ganz weg. Christa und ich holen das zweite Auto in Burgum, wo wir vor vier Tagen gestartet sind.

- Das war eine gemütliche Hüttentour -